Operation gegen krankhaftes Übergewicht

Erste Eingriffe in der St. Vincenz Adipositas-Chirurgie erfolgreich durchgeführt

Seit Oktober 2018 gibt es am St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn einen neuen Schwer-punkt für Adipositas-Chirurgie, die als einzige Anlaufstelle im Kreisgebiet medizinische Hilfe für krankhaft Übergewichtige bietet.

Geleitet wird die Sektion von PD Dr. Carolina Pape-Köhler, die ein „multimodale Konzept“ (MMK) für Betroffene ins Leben rief. Erst nach diesem ersten Baustein einer Behandlung, der sich aus einem professionellen Coaching, Ernährungsberatung und Bewegungstherapie zusammensetzt, erfolgt „grünes Licht“ für einen operativen Eingriff zur Reduktion des Übergewichts. Nachdem die ersten Teilnehmer den MMK-Kurs im Sommer erfolgreich beendeten, operierte Dr. Pape-Köhler jetzt die ersten Patienten erfolgreich. Diese freuen sich nun auf einen neuen Lebensabschnitt: ein neues, leichteres Leben.

„Mein Übergewicht war ein Teufelskreis, aus dem ich allein nicht herausgekommen wäre“, berichtet Tanja Westhoff, eine der Patientinnen. „Natürlich habe ich mehrere Diäten ausprobiert, aber der Jojo-Effekt hat mich immer wieder eingeholt. Deshalb holte ich mir professionelle Hilfe.“ Zusammen mit 17 „Leidensgenossen“ entschied sie sich im Januar, den MMK-Kurs zu starten. Hierbei trafen sich die Teilnehmer ein halbes Jahr lang regelmäßig, um gemeinsam Vieles über ihr Essverhalten und ihren Körper mit Hilfe von Ernährungsberatern, Verhaltenstrainern und Physiotherapeuten zu lernen. Auch Sport- und Bewegungsprogramme standen auf dem Plan. „In dieser Zeit habe ich gelernt auf meinen Körper zu hören. Wir Kursteilnehmer sind zu einem richtigen Team zusammen gewachsen. Es war eine Bereicherung, sich mit den anderen Betroffenen auszutauschen. Endlich nahm man mich ernst und ich war mit meinen Problemen nicht mehr allein“, so Westhoff. Gemeinsam nahm die Gruppe im Verlauf des Kurses 200 Kilogramm ab.
Diese nicht-operativen Methoden tragen allerdings bei vielen adipösen Betroffenen nur bedingt zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion bei. So auch bei Tanja Westhoff: Nach intensiven Beratungsgesprächen entschied sie sich daher im zweiten Schritt für einen chirurgischen Eingriff. Gleichzeitig betont die Fachärztin: „Eine Operation ist in jedem Fall der letzte Therapie-Schritt. Bevor ein Eingriff angedacht wird, müssen alle konservativen Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung ausgeschöpft sein. Hierfür gibt es klare Richtlinien. Denn die Adipositas-Chirurgie ist alles andere als eine Schönheitsoperation.“ Sie und ihr Team bieten zwei anerkannte Verfahren zur operativen Verkleinerung des Magens an: die Herstellung eines „Schlauchmagens“ und den „Magen-Bypass“. „Nach einem solchen Eingriff kann der Magen nur noch geringe Mengen an Nahrungsmitteln aufnehmen. So tritt das Sättigungsgefühl schneller ein. Im Magenbereich entfernen wir bei einer Schlauchmagenoperation den Bereich, der für das Hungerhormon Ghrelin verantwortlich ist“, erklärt PD Dr. Hubert Scheuerlein, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie.  „Dadurch verringert sich das Hungergefühl.“ Das merkte auch die frischoperierte Patientin sofort: „Nach einem kleinen Joghurt war ich sofort satt. Daran muss ich mich erst gewöhnen.“
PD Dr. Pape-Köhler geht davon aus, dass die operierten Patientinnen in den ersten beiden Jahren ca. 60 bis 70 Prozent ihres Übergewichts verlieren. Parallel zum Gewichtsverlust verbessern sich bei den Patienten sicht- und spürbar die Begleiterkrankungen, wie Diabetes, Gelenkschmerzen oder Herzleiden. So kann oft schon während des Krankenhausaufenthalts die Diabetesmedikation bei vielen betroffenen Patienten reduziert werden. Bei den anfangs sehr engmaschigen, später jährlichen Nachsorgeterminen sieht man geradezu wie die Patienten gesünder werden. „Die meisten Patienten kommen strahlend zu den Nachsorgeterminen und genießen die neu gewonnene Lebensqualität.  Bei vielen sind es bereits die Kleinigkeiten im Alltag, wie ‚schmerzfrei und ohne Pause Treppen steigen‘ oder ‚im Bus einen Sitzplatz zu bekommen, auf den man drauf passt‘ oder ‚mit den Kindern toben‘ oder ‚ein Eis essen können, ohne schief angeschaut zu werden‘, die zu diesem völlig neuen Lebensgefühl beitragen“, weiß Pape-Köhler aus Erfahrung.
Tanja Westhoff freut sich bereits darauf, dass längere Spaziergänge und entspannte Städtetrips für sie bald wieder möglich sind.

Weitere Informationen, Hilfsangebote, Kurstermine und Ansprechpartner finden Interessierte unter www.vincenz.de/adipositas

Adipositas und Begleiterkrankungen

Als wären die überschüssigen Pfunde nicht Last genug:  Mit Adipositas geht eine Vielzahl von Begleit- und Folgeerkrankungen einher, die ein hohes Gesundheitsrisiko darstellen. Die häufigsten Folgen sind Diabetes Mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Herzleiden. Unter dem Gewicht leiden nicht nur die inneren Organe, sondern auch die Wirbelsäule, die Hüft-, Knie- und Fußgelenke. Durch die hohe Belastung der Gelenke leiden Betroffene häufig  an Arthrose – einem vorzeitigen Gelenkverschleiß.


Bildunterzeile (von links):
PD Dr. Hubert Scheuerlein, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, die Patientinnen Nadine K., Tanja Westhoff, Miriam W. sowie PD Dr. Carolina Pape-Köhler, Sektionsleiterin der Adipositas-Chirurgie (Foto: St. Vincenz-Krankenhaus GmbH)