Enormer Investitionsstau in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise

Landtagsvertreter besuchen St. Vincenz-Kliniken 

Die Verantwortlichen der Frauen- und Kinderklinik St. Louise haben nun die Wahlkreiskandidaten Norika Creuzmann (Bündnis 90/Die Grünen), Marc Lürbke (FDP), Daniel Sieveke (CDU) und Michael Sprink (SPD) eingeladen, um auf die prekäre Finanzlage aufmerksam zu machen: Nach dem Schließen der Geburtshilfe am St. Johannisstift ist die Geburtshilfe der St. Vincenz-Kliniken mit ihren Standorten St. Louise Paderborn und St. Josefs Salzkotten die einzige im Kreis Paderborn. Doch Fördermittel des Landes bleiben seit Jahrzehnten aus. 

„Seit vielen Jahren sitzen wir einen gewaltigen Investitionsstau aus. Anscheinend sind die riesigen Herausforderungen, vor denen die Krankhäuser stehen, noch nicht in der Politik angekommen: Die dauerhafte Unterfinanzierung gefährdet die sichere Patientenversorgung in unserer Region immens. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!“, betont Dr. Josef Düllings, Hauptgeschäftsführer der St. Vincenz-Kliniken und Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands. „Dabei sollte die Bevölkerung wissen, dass die Krankenhäuser gegenüber den Bundesländern einen Rechtsanspruch auf Fördermittel haben. Der Grund dafür ist die duale Finanzierung. Danach sind Investitionsmittel in den Fallpauschalen, Fixbeiträge pro Behandlungsfall für die Patientenversorgung, ausdrücklich nicht enthalten. Der Rechtsanspruch auf Investitionsmittel wird durch die Länder seit Jahren aber nur unzureichend erfüllt.“

Die Geburtshilfe der St. Vincenz-Kliniken Salzkotten + Paderborn als größte Geburtshilfe in ganz NRW bietet eine qualitativ hochwertige Versorgung auf top Niveau, wie sie deutschlandweit wenige Kliniken zu leisten vermögen: natürliche Mehrlingsgeburten, niedrige Kaiserschnittraten, Wassergeburten und ein angegliedertes Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe für Risikoschwangere, Frühgeborene und kranke Neugeborene – doch es gibt keine Unterstützung vom Land. Ende des Jahres 2021 stellte Nordrhein-Westfalen eine „Krankenhaus-Einzelförderung“ in Höhe von 106 Millionen Euro zur Verfügung. Von dieser Summe bekamen die St. Vincenz-Kliniken jedoch keinen Cent ab. „Uns wurde nach unserem Antrag nur zurückgespiegelt, dass das Geld bereits vergeben sei. Seit Jahrzehnten gab es keine Fördermittel für die Frauen- und Kinderklinik St. Louise – das letzte Mal vor 20 Jahren eine kleinere Summe zur Erweiterung unserer Kreißsäle. Wo sollen die Schwangeren und kleinen Patienten untergebracht und sicher versorgt werden, wenn kein ausreichender Platz da ist? Dennoch wurde z.B. die Geburtshilfe des St. Johannisstift kürzlich durch Fördermittel modernisiert. Nun hat sie geschlossen – schlichtweg widersprüchlich“, so Düllings. 

Ein Großteil der Klinik an der Husener Straße sei seit vielen Jahren „abgängig“ – wie es in der Bausprache heißt. Klartext: Modernisierungsbedarf besteht in vielen Bereichen der Klinik. „Um den Standort angemessen zu modernisieren, wären ca. 54 Millionen notwendig. Um die Akutversorgung zu gewährleisten jedoch wenigstens 5,6 Millionen Euro“, berichtet Jürgen Thau, kaufmännischer Geschäftsführer der St. Vincenz-Kliniken. Weiter engen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und die hohen Vorhaltekosten für eine moderne Versorgungsstruktur die Krankenhäuser immer ein. „Wir setzen alles daran, für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um dem Fachkräftemangel entgegen zu stehen. Beispielsweise stellen wir auf das Beleghebammensystem um. Wir leisten so viel aus eigener Kraft – ohne jede Unterstützung!“, so Düllings. Die Wahlkreiskandidaten waren sich einig: Die Gesundheitsversorgung hat höchste Priorität und versprachen, sich beim Land für die St. Vincenz-Kliniken einzusetzen.

Hintergrundinfo:

Nach Berechnungen des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Essen und der hcb GmbH liegt der jährliche Investitionsbedarf der Krankenhäuser in NRW bei 1,85 Milliarden Euro. Das Land NRW, das die Investitionskosten übernehmen muss, kommt nur für rund ein Drittel davon auf. Daneben werden die Krankenhäuser über Fixbeträge pro Behandlungsfall, die sogenannten Fallpauschalen, finanziert. 

Bildunterzeile:

Von links: PD Dr. Friedrich Ebinger (Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin), Michael Sprink (SPD), Norika Creuzmann (Bündnis 90/Die Grünen), Marc Lürbke (FDP), Daniel Sieveke (CDU), Dr. Josef Düllings (Hauptgeschäftsführer), Prof. Dr. Michael Patrick Lux (Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe), Sr. Bernadette M. Putz (Geschäftsführerin), Michaela Bremsteller (Kreisvorsitzende Paderborn des Landesverbands der Hebammen NRW)