Schön zu sehen, wenn ein Neugeborenes bedingungslos angenommen und geliebt wird

Drei Fragen an Christine Schmücker, Leitende Oberärztin der Geburtshilfe in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise


Warum arbeiten Sie gerne in der Geburtshilfe?

Ich arbeite gerne in der Geburtshilfe, weil es einfach das einzige medizinische Fachgebiet ist, welches am Anfang, am Beginn des Lebens, mit dabei ist. Wenn ich als Frauenärztin mit Patientinnen zu tun habe, dann haben die natürlich immer eine Vorgeschichte, eventuell auch schon Beschwerden, Erkrankungen. So eine Geburt ist in der Regel einfach ein tolles Ereignis! Natürlich hat man im Umkehrschluss eine große Verantwortung, da es ja nicht selbstverständlich immer ohne Komplikationen gelingt ein Kind "auf die Welt“ zu holen. Genau dieses Spannungsfeld hat es mir jetzt schon seit 17 Jahren angetan, und ich werde auch immer noch von Situationen überrascht, weil ich sie noch nicht erlebt habe. Für eine Geburt gibt es halt kein festes Schema.

Wie schaffen Sie es ein Vertrauensverhältnis zu Ihren Patientinnen aufzubauen?

Da bemühe ich mich eigentlich wie sonst auch im normalen (nicht Krankenhaus)-Umfeld, offen zu sein. Konkret heißt das für mich, dass ich die Frauen, die zu mir in die Sprechstunde kommen, einfach erst einmal erzählen lasse, warum sie eigentlich hier hergekommen sind. Oft stellt sich dann schon heraus, dass es einfach nur das Bedürfnis ist, sich zur Geburt anzumelden, oder auch nur schon einmal  „uns“ ein wenig kennen zu lernen. So eine Geburt ist schon ein sehr intimes Geschehen; da möchte man verständlicherweise schon mal gerne wissen, mit wem man es zu tun hat.
Wenn ersthafte Probleme bestehen, können wir (z. Zt. bestreiten vier Ärzte mit der speziellen Weiterbildung die Risikosprechstunde) eine umfassende Planung und Betreuung vereinbaren. Dabei hilft dann die Tatsache, dass wir ca. 25% der Patientinnen in unserem Haus mit einem Risiko betreuen und somit über viel Erfahrung verfügen. Unsere Patientinnen wissen, dass sie jederzeit einen Ansprechpartner im Kreißsaal finden.

Nachdem Sie selbst Mutter geworden sind – was machen Sie seitdem anders bei der Arbeit bzw. auch was sehen Sie anders und wie sehen Sie es jetzt?

Dazu kann ich nur sagen, dass ich selber schon beinahe unverschämt einfache Geburten hatte und natürlich manchmal davon ausgehe, dass muss doch immer so sein. Spaß beiseite, wenn man selber ein Kind bekommt, ist man werdende Mutter und sonst nichts. Ich finde es tatsächlich jedes Mal schön,  wenn so ein Neugeborenes von seinen Eltern einfach bedingungslos angenommen und geliebt wird;
und direkt danach setzt sich ein kleines Teufelchen auf meine Schulter, und ich schmunzle bei dem Gedanken, dass auch diese kleinen Wesen in den nächsten Jahren sicher nicht immer so süß, niedlich, wunderbar und perfekt … bleiben werden.